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Ich habe es an dieser Stelle schon mehrfach betont: Die wichtigste Aufgabe von Führungskräften ist es, eine Inspiration zu sein. Diese Aufgabe hat zwei Dimensionen. Erstens: Jeder, der führt, hat eine Vorbildwirkung auf seine Mitarbeiter – auf die eine oder auf die andere Weise. Zweitens: Den Kunden ist ganz besonders in Zeiten der digitalen Transparenz nicht egal, wie ein Unternehmen geführt wird. Umsatzeinbrüche und Boykotte als öffentliche Reaktionen auf Skandale bei Großkonzernen zeigen das immer wieder.

Der persönliche Stil einer Führungskraft ist deshalb ein wichtiger Einflussfaktor auf den Erfolg eines Unternehmens: schlechter Stil, schlechte Führung.

Vor diesem Hintergrund wirkt die öffentliche Schlammschlacht um ein Hamburger Luxushotel, die kürzlich durch die Schlagzeilen ging, wie ein schlimmer Unfall: Am liebsten würde man wegschauen, doch man kann es nicht ignorieren. Der Inhaber – ein sehr erfolgreicher, kreativer Unternehmer mit vielen Meriten – bewirft seinen ehemaligen General Manager – einen ebenfalls sehr erfolgreichen, arrivierten Hoteldirektor mit bestem Ruf – öffentlich mit Dreck, und zwar nachdem er ihn bereits gefeuert und einen neuen Direktor eingesetzt hat.

Wie es zu diesem unnötigen, höchst bedauerlichen Disput kommen konnte, ist eine Frage, die zu kommentieren ich mir nicht anmaßen möchte. Viel wichtiger scheint mir eine Frage, die über diesen Einzelfall hinausgeht: Welches Signal sendet Führung mit einem solchen Verhalten an Mitarbeiter und Kunden? Eine Stilfrage, die direkt den Wesenskern der Führung betrifft. Führungskräfte inspirieren ihre Mitarbeiter – mit schlechter Führung genauso wie mit guter Führung. Was lernen die Mitarbeiter dieses Hotels daraus, wenn der Vorgesetzte, der sie 20 Jahre lang geführt hat, öffentlich demontiert wird? Sie lernen, dass Loyalität sich nicht lohnt. Sie erleben, dass selbst zwei Jahrzehnte erfolgreicher Zusammenarbeit nicht ausreichen, um in diesem Unternehmen wenigstens mit Respekt behandelt zu werden. Und das schlimmste: sie spüren, dass sie niemandem vertrauen können – schon gar nicht der Führung.

Vertrauen ist die wichtigste Säule der Führung. Wenn sie wegbröckelt, weil der Unternehmer schlechten Stil demonstriert, ist das ein Desaster auf allen Ebenen. Schlechter Stil vertreibt die besten Mitarbeiter, und schlimmer noch: er färbt ab.

Mindestens genauso desaströs ist die Wirkung, die schlechter Stil auf die Gäste hat. Nach außen hin demonstriert der Führungsstil die Haltung, die in einem Unternehmen herrscht. Der Führungsskandal um das Hamburger Hotel wurde in der Presse breitgetreten und hat auch in den Sozialen Medien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Welche Schlüsse werden die Gäste daraus ziehen? Wenn schon die Führung eines Hotels durch Aggressivität, Unzuverlässigkeit und Indiskretion von sich reden macht – wie werde ich da wohl als Gast behandelt?

Führung agiert nicht im Vakuum. Der Führungsstil ist das Aushängeschild eines Unternehmens. Genauso wie die Mitarbeiter wollen auch die Gäste einem Hotel vertrauen. Wenn das Vertrauen fehlt, fehlt die Erfolgsgrundlage: schlechter Stil, schlechte Führung, schlechter Ruf.

Dieser Artikel ist am 30.06.2017 außerdem erschienen bei AHGZ.
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